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Berufsunfähigkeit vs. Arbeitsunfähigkeit

Bin ich berufsunfähig, wenn mein Arzt mich krank schreibt?

Nein, nicht in jedem Fall, da eine Krankschreibung immer arbeitsplatzbezogen erfolgt. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bezieht sich jedoch auf die konkrete berufliche Ausgestaltung Ihrer im Leistungsfall ausgeübten beruflichen Tätigkeit. Vor allem in Alttarifen kann jedoch auch eine Verweisungsmöglichkeit auf eine derzeit nicht ausgeübte berufliche Tätigkeit bestehen (abstrakte Verweisung).

Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn Sie tatsächlich oder voraussichtlich für einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten nicht mehr in der Lage sind, Ihrer zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit (egal, an welchem Arbeitsplatz) nachzugehen. In manchen Tarifen wird sogar ein Zeitraum von drei Jahren verlangt. Oft heißt es dann „voraussichtlich dauernd“. Diese Berufsunfähigkeit muss üblicherweise mindestens 50% betragen. Optional lässt sich mitunter eine teilweise Leistung bereits ab 25% und eine volle Leistung ab 75% Berufsunfähigkeit vereinbaren. Diese Regelung ist jedoch im Regelfall nicht zu empfehlen, da sie erheblich streitanfällig sein kann.

*Arbeitsunfähig* sind Sie hingegen immer dann, wenn eine Wiederherstellung Ihrer Arbeitsfähigkeit nach ärztlichem Ermessen erwartet werden kann. Wenn Sie nicht gerade wegen eines Skiunfalls für voraussichtlich sechs Monate im Gips liegen, ist die Chance sehr hoch, dass Ihr Arzt Ihnen arbeits- und nicht berufsunfähig attestieren wird.
Beispiel: Aufgrund Mobbing Ihres Vorgesetzten hat Ihr Arzt Sie für sechs Monate krankgeschrieben. Als Folge einer psychotherapeutischen Behandlung hat sich Ihr Gesundheitszustand bereits gebessert. Ihr Arzt rechnet daher damit, dass Sie in ca. zwei Monaten (also nach acht Monaten insgesamt) wieder arbeitsfähig sein werden, sofern Sie den Arbeitsplatz wechseln, um nicht erneut dem Mobbing des Vorgesetzten ausgeliefert zu sein. Daher besteht zwar Arbeits-, aber keine Berufsunfähigkeit.

In der Regel enden die Leistungen aus einer möglicherweise bestehenden Krankentagegeldversicherung dann, wenn Sie nach den Bedingungen Ihres Berufsunfähigkeitsversicherers berufsunfähig sind oder eine Rente wegen Berufsunfähigkeit (ggf. auch aus der gesetzlichen Rentenversicherung!) beziehen. Im Einzelfall kann der Krankenversicherer jedoch auch zu dem Schluss kommen, dass sie nach seinen Bedingungen noch arbeitsunfähig sind. Dann erhalten Sie aus beiden Verträgen eine Leistung. Leider kann es auch vorkommen, dass der Krankenversicherer Sie für berufsunfähig und der Berufsunfähigkeitsversicherer Sie für „nur“ arbeitsunfähig hält. Dann bekommen Sie weder aus dem einen noch aus dem anderen Vertrag eine Leistung.

Problem ist, dass eine Berufsunfähigkeit fast immer rückwirkend anerkannt wird und damit der Anspruch auf Krankentagegeld rückwirkend erlischt. Sie müssen also dann gegebenenfalls die Differenz zwischen bereits geleistetem Krankentagegeld und dem entstehenden Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente zurückzahlen. Das kann ein Problem sein, wenn Sie beispielsweise ein monatliches Krankentagegeld von 2.000 Euro und eine Berufsunfähigkeitsrente von nur 1.000 Euro vereinbart haben. Bereits bei nur sechs Monaten Berufsunfähigkeit müssten Sie dann 6.000 Euro (6*1.000 Euro Differenz) zurückzahlen. Um solche Streitfälle zu vermeiden, sollten Sie die Berufsunfähigkeitsrente stets mindestens in Höhe des vereinbarten Krankentagegeldes abschließen.

Ein weiteres mögliches Streitpotential ergibt sich aus der unterschiedlichen Interessenlage von Berufsunfähigkeits- und Krankentagegeldversicherer. Da ein Krankenversicherer naturgemäß ein Interesse daran hat, schnellst möglich aus der Leistungspflicht zu kommen, ist er daher eher geneigt ohne allzu gründliche Prüfung das Vorliegen einer Berufsunfähigkeit zu behaupten. Hingegen liegt es im Interesse des Berufsunfähigkeitsversicherers sehr genau zu prüfen, ob der Kunde nicht erst nur arbeitsunfähig ist, da er ja erst bei Berufsunfähigkeit zahlen muss. Aus diesem Grunde gibt es die Möglichkeit, die Definitionen von Krankentagegeld- und Berufsunfähigkeitsversicherer aufeinander abzustimmen. Dann erhalten Sie stets entweder aus dem einen oder aus dem anderen Vertrag eine Leistung. Dabei ist diese Harmonisierung jedoch fast immer nur innerhalb eines Konzerns möglich. Sie sollten darauf achten, dass das Krankentagegeld und die Berufsunfähigkeitsrente in einer aufeinander abgestimmten Höhe abgesichert sind.

Einige wenige Berufsunfähigkeitsversicherer bieten Ihnen jedoch auch dann schon eine Berufsunfähigkeitsrente, wenn sie eine mindestens sechs Monate andauernde Arbeitsunfähigkeit nachweisen können. Im Detail gibt es hier große Unterschiede. Vorteilhaft ist jedoch, dass Sie diese Leistung erhalten können, ohne eine zusätzliche Krankentagegeldversicherung abzuschließen und dass Sie keinen Nachweis erbringen müssen, ob Sie bislang nur arbeits- oder bereits berufsunfähig sind.

censio empfiehlt den Einschluß der Leistung bei Arbeitsunfähigkeit – Highlights eines ausgewählten Versicherers:

  • Voraussetzungen für Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit:
    -6-monatige ununterbrochene Krankschreibung (mind. eine Facharztbescheinigung) oder
    -4-monatige ununterbrochene Krankschreibung und Krankschreibung von einem Facharzt für weitere 2 Monate
  • -Leistung rückwirkend ab Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
    -Leistung in Höhe der versicherten Berufsunfähigkeitsleistung:
    -Beitragsbefreiung der Hauptversicherung
    -Arbeitsunfähigkeitsrente
  • Garantierte Rentensteigerung der Arbeitsunfähigkeitsrente möglich
    -Beitragsfreie Dynamik der Hauptversicherung möglich
  • Leistung erfolgt,
    -solange eine ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit vorliegt, max. 24 Monate pro Vertragslaufzeit oder
    -bis eine Leistung wegen Berufsunfähigkeit gezahlt wird.

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Autor: censio.de am 17. Feb 2015 14:21, Rubrik: Berufsunfähigkeitsversicherung, Kommentare geschlossen.

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