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Lebensversicherungsbranche in der Krise

Die Lebensversicherungsbranche steckt in eine Krise, die im Wesentlichen auf zwei Faktoren beruht: Den neuen Produkt- und Vertriebswelten sowie den ständigen Veränderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Lebensversicherer wissen nicht so recht, wie sie auf die aktuellen Entwicklungen reagieren können. Denn auch im Vertrieb gibt es starke Konkurrenz.

Wie die Zeitschrift „Versicherungswirtschaft“ in Ihrer aktuellen Ausgabe (Heft 10/2008, S. 834 – 835) berichtet, wurde der negative Trend der Lebensparte bereits gegen Ende 2007 deutlich sichtbar. Zu diesem Zeitpunkt änderte die Rating-Agentur Fitch ihre Prognose für das Leben-Geschäft für die kommenden zwölf Monate von „stabil“ auf „negativ“. 26 der 100 deutschen Lebensversicherer stehen unter Fitch-Beobachtung. Neben den regelmäßigen strukturellen Veränderungen (VVG-Reform) lassen auch stark reduzierte Bewertungsreserven den Spielraum der Assekuranzen enger werden.

Anfang 2005 löste die Riester Rente die klassische Kapitallebensversicherung als Zugpferd der Branche ab. Neben den Riester-Verträgen funktionieren lediglich noch die Basisrente und fondsgebundene Lebenprodukte. Die Fokussierung auf diese Produkte sorgte seit 2004 für einen Anstieg der Beitragseinnahmen, wobei der Ertrag vielfach auf der Strecke blieb. Durch die abschließende Höchstförderstufe durch Riester könnte die Sparte 2008 im Neugeschäft noch einmal profitieren. Mit der Riester-Endstufe sieht Fitch allerdings auch das Ende des Höhenfluges und prognostiziert sinkende Abschlusszahlen ab 2009. Ob die Basisrente den Rückgang beim Riester-Neugeschäft auffangen kann, ist nach Einschätzung von Fitch bisher unsicher. Ein weiterer Nachteil der Riester-Verträge: Die Beiträge sind oftmals äußerst gering, der Verwaltungsaufwand bleibt – ähnlich zu den Kapitallebensversicherungen – aber gleich und setzt die Gesamtrentabilität unter Druck. Auch die zunehmende Lebenserwartung der Versicherten beeinträchtigt die Rentabilität von Riester-Verträgen und sonstigen Rentenversicherungen.

Im Vertrieb zeichnen sich ebenfalls Probleme ab: Durch die EU-Vermittlerrichtlinie mussten Schätzungen zufolge zwar rund 20 % der Makler ihre Arbeit einstellen, diese waren nach Meinung von Marktexperten allerdings ohnehin nur wenig produktiv. Jedoch gerade die Ablösung des Policen-Modells durch das Antragsmodell und neue Anforderungen durch die VVG-Reform machen den Vertrieb teurer und komplizierter. Die Folge: Bereits in den ersten Monaten 2008 mussten einige Makler deutliche Umsatzrückgänge verkraften. Und auch Banken und Investmentfonds machen den Versicherern das Leben nicht leichter und bauen ihre Marktanteile konsequent aus.

Bei der Kapitalanlagepolitik haben neue gesetzliche Anforderungen für zusätzlichen Druck gesorgt. Die Folge dieser Veränderungen: Die Bewertungsreserven der Assekuranzen sind stark rückläufig. Waren 2005 insgesamt noch rund 44 Mrd. EUR Bewertungsreserven vorhanden, verzeichneten die deutschen Lebensversicherer 2006 nur noch 35 Mrd. EUR. Das Problem der Versicherer liegt in ihrer einseitigen Anlagepolitik, die die Höhe der Bewertungsreserven nach Einschätzung von Fitch Rating Ende 2007 gar bis auf rund 20 Mrd. EUR gesenkt haben. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) schätzt, dass die Höhe der Bewertungsreserven der Versicherer Ende 2007 gar nur noch bei 14 Mrd. EUR gelegen hat.
[Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

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Autor: lexisnexis am 4. Jun 2008 19:50, Rubrik: Kapitallebensversicherung,

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