CENSIO » Aktuell » Aktuelles » Aktuell Versicherungen » Quotenregelung: Grautöne statt Schwarz-Weiß

Quotenregelung: Grautöne statt Schwarz-Weiß

Seit der letzten VVG-Reform gilt im Schadenfall das Prinzip der Quotelung. Das heißt, bei grober Fahrlässigkeit wird nicht mehr nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip verfahren, sondern exakt festgestellt, wie hoch der Anteil des objektiven und subjektiven Verschuldens des Versicherungsnehmers ist. Danach wird die Leistung entsprechend gekürzt. Bisher ist dies in das Ermessen des zuständigen Sachbearbeiters gelegt, Tabellen gibt es noch nicht dafür.

Die Reform des Versicherungsvertragsrechts im Jahr 2008 hat neben vielen anderen Änderungen im Bereich der Frage des Verschuldens eine wesentliche Modifizierung gebracht: Die ausschließliche Gültigkeit des Alles-oder-Nichts-Prinzip wurde abgeschafft. Nun wird bei grober Fahrlässigkeit entschieden, wie stark das Verschulden des Versicherungsnehmers ist und entsprechend fällt die Zahlungspflicht des Versicherungsunternehmens aus. In einem Beitrag im „Versicherungsmagazin“ Heft 11/2009 zeigt Klaus-Heribert Doch auf, wie das in der Praxis gehandhabt wird. Dabei muss zunächst geklärt werden, ob das Verschulden des Versicherungsnehmers wirklich so schwerwiegend ist, dass es die Grenze zwischen einfacher Fahrlässigkeit – bei der es keine Sanktionen gibt und der Versicherer in voller Höhe leisten muss – und grober Fahrlässigkeit überschreitet. Dies ist meist dann der Fall, wenn er seine Sorgfaltspflichten in besonders hohem Maß überschritten hat, wenn also zu den objektiven auch subjektive Kriterien dazu kommen. Wenn der Sachbearbeiter des Versicherers dies festgestellt hat, wird im Normalfall die durchschnittliche grobe Fahrlässigkeit angenommen, die zu einer Leistungskürzung von 50 führt. Dazu kommt eine Einzelfallprüfung, nach der dieser Wert höher oder niedriger sein kann. Eine Leistungskürzung von weniger als 20 ist allerdings kaum denkbar – dann liegt meist einfache Fahrlässigkeit vor.

Um dieses Verfahren zu standardisieren, wird immer wieder gefordert, Verschuldenstabellen analog zum Bußgeldkatalog im Straßenverkehr einzuführen. Der Autor geht davon aus, dass sie mittelfristig kommen werden, auch wenn er zu bedenken gibt, dass das Verschulden nur ein Abwägungskriterium unter mehreren bei der Leistungskürzung ist. Zumindest bei alkoholbedingter Fahruntüchtigkeit könnte es seiner Einschätzung nach dazu kommen, dass dies auf jeden Fall zu einer Leistungskürzung der Versicherer um 100 % führt. Die Beweislast, ob der Versicherungsfall grob fahrlässig herbeigeführt wurde, muss auf jeden Fall der Versicherer tragen. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Jetzt Tarife vergleichen Jetzt Tarife vergleichen

Weiterführende Artikel:

Autor: lexisnexis am 10. Nov 2009 19:24, Rubrik: Aktuell Versicherungen,

nach oben