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Reisekrankenversicherung: Wann war ein Herzinfarkt „unerwartet“?

Die Versicherungsbedingungen zur Reisekrankenversicherung enthalten Bestimmungen, die das Leistungsversprechen zum Schutz des Versicherers vor vorvertraglichen Risiken auf Krankheiten beschränken, deren Eintritt nicht vorhersehbar oder unerwartet war. Bei der Auslegung dieser Bestimmungen ist auf die subjektive Sicht des Versicherungsnehmers oder der versicherten Person abzustellen. Anderenfalls würde die dem Versicherer nach der gesetzlichen Konzeption des Versicherungsvertrages obliegende Gefahrtragung unzulässig auf den Versicherungsnehmer übertragen.

Ob ein erlittener Herzinfarkt „absehbar“ im Sinne des Leistungsausschlusses des § 1 Nr. 2 a) Satz 1 AVB war, richtet sich danach, welche konkreten Informationen der Versicherungsnehmer bzw. die versicherte Person vorher dazu hatte, inwieweit die Reise und der damit verbundene Klimawandel das Herzinfarktrisiko erhöhen konnten. Aus der Sicht eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers verhält es sich so, dass akute, mithin im versicherten Zeitraum neu und plötzlich auftretende Erkrankungen (z.B. ein Herzinfarkt) versichert sind, während die Behandlung bereits bestehender und bekannter Vorerkrankungen einschließlich möglicher Behandlungsfolgen ausgeschlossen ist.

Der Versicherungsnehmer wird und darf daher annehmen, dass eine akute, unerwartete Erkrankung etwas anderes ist als die bekannten Beschwerden, Erkrankungen und Verletzungen, denen der Leistungsausschluss allein gilt.Das hat der Bundesgerichtshof (BGH, 21.09.2011 – IV ZR 227/09) klargestellt. Im konkreten Fall kamen die Richter zum Ergebnis, dass zwischen erstattungsfähigen Kosten für die Behandlung der akuten Erkrankung (des Herzinfarktes) und nicht erstattungsfähigen Kosten für die Behandlung der bekannten Vorerkrankungen zu unterscheiden war. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]

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Autor: wolterskluwer am 20. Dez 2011 12:13, Rubrik: Versicherungsrecht,

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