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Berufsunfähigkeitsversicherung Abstrakte Verweisung

Was bedeutet abstrakte Verweisung ?

Abstrakte Verweisung:

Dem Versicherer ist es möglich, dem Versicherungsnehmer bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit schlüssig darzulegen, dass er zwar in seinem bisherigen Beruf berufsunfähig ist, aber
1) für eine andere Tätigkeit trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung berufsfähig ist,
2) die aktuell verwertbare Ausbildung und Erfahrung (Kenntnisse und Fähigkeiten) für eine andere Tätigkeit besitzt,
3) die Arbeitsbedingungen der neuen Tätigkeit etwa gleich oder sogar besser sind,
4) das Einkommen und die Wertschätzung (Lebensstellung) in der neuen Tätigkeit nicht spürbar unter dem Niveau der zuletzt ausgeübten Tätigkeit liegen.

Was einen spürbaren Einkommensverlust im Sinne der obigen Regelung bedeutet, entscheiden im Einzelfall die Gerichte. Gerade bei mittleren Einkommen wird oft eine „Schmerzgrenze“ von etwa 20 Prozent angenommen. Wer aber besonders viel oder wenig verdient, wird jedoch teilweise auch deutlich höhere Einkommenseinbussen hinnehmen müssen. Für Empfänger niedriger Einkommen mag im Einzelfall auch ein Einkommensverlust von 20 Prozent noch zu viel sein. Einige Versicherer regeln daher in ihren Bedingungswerken klar, dass ein Einkommensverlust von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr unzulässig sei. Bei der abstrakten Verweisung spielt es keine Rolle, ob bereits eine neue Tätigkeit aufgenommen wurde, d.h. die Arbeitsplatzsituation bleibt außen vor! Allerdings setzen die oben genannten Regeln enge Maßstäbe für eine zulässige Verweisung. So kann ein Schlachter mit Rückenproblemen (Stichwort: ständiges Schleppen von Schweinehälften) nicht auf eine Tätigkeit als Busfahrer verwiesen werden. Für eine Tätigkeit als Schlachter ist nämlich eine dreijährige Ausbildung erforderlich, für Busfahrer nur ein Personenbeförderungsschein. Hingegen kann ein Lagerarbeiter problemlos auf eine Tätigkeit als Pförtner verwiesen werden. Zulässig ist auch die Verweisung eines Lokführers auf eine Innendiensttätigkeit bei der Deutschen Bahn.

Aus diesen Gründen ist es immer sinnvoll, auf den Einschluss der abstrakten Verweisung unbedingt zu verzichten. Vor allem gilt dies für ungelernte Berufe oder Personen mit häufigem Berufswechsel. Sinnvoll ist der Verzicht auf abstrakte Verweisung aber auch für Personen, bei denen bei Vertragsabschluss kein Risiko erkennbar ist.

Beispiel für einen Bedingungstext:

„Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versichere Person infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich dauerhaft außerstande ist, ihren vor Eintritt der Berufsunfähigkeit ausgeübten Beruf – so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war – oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung ausgeübt werden kann und ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“

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